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Am 29. Februar 2020 trafen sich neun Jugendliche zum Projekt „Kirche im anderen Licht“ in Ahnatal-Weimar. Sie hatten vielleicht eine wage Idee, was auf sie zukommen könnte, dennoch konnten sie mit dem Titel nichts Konkretes verbinden.

Das Projekt startete mit einer kunterbunten Kirchenraumerkundung. Die Heranwachsenden bekamen die Möglichkeit mit verschiedenen Methoden, den Kirchenraum der Weimarer Kirche kennen zu lernen und sich anzueignen. So sollten sie als Erstes ziellosdurch die Kirche laufen und geheime Ecken entdecken, um sich diese anschließend in Partner*innenarbeit gegenseitig vorzustellen. Dabei hatte ein*e Partner*in die Augen geschlossen, sollte auf Luftströme achten, Lichtwechsel wahrnehmen und kleine Details mit den Händen erfüllen. Die Jugendlichen gaben als Rückmeldung, dass es zu Anfang schwer war sich darauf einzulassen, ohne Orientierungsmöglichkeit durch die Kirche zu gehen. Im Laufe der Zeit wurden sie aber immer sicherer, da sie ihren eigenen Standpunkt in der Kirche besser zuordnen konnten. So suchten die Jugendlichen nach Orten, an denen man sie sich nicht wohlfühlen, die ihnen unangenehm oder gar unheimlich erschienen. Eine Jugendliche wählte die Kanzel – „hier werde ich von überall gesehen“. Viele entschieden sich für den Altar – „hier stehe ich im Mittelpunkt“. Nach den Suchen des Lieblingsortes innerhalb der Kirche, hatten sie die Aufgabe, dort zu verbleiben und die Augen zu schließen, zu öffnen, zu schließen, zu öffnen und somit eigene Schnappschüsse zu erstellen.

Im Anschluss daran hatten die Jugendlichen die Aufgabe mit ihrem eigenen Smartphone auf die Suche nach besonderen Details innerhalb des Kirchenraums zu gehen und wirkliche Schnappschüsse zu gestalten. Hier kam uns das Wissen der Jugendlichen mit ihrem Smartphone zugute, denn so konnten die Aufnahmen von ihnen bearbeitet und in eine „Gruppe“ gestellt werden. Andere Teilnehmer*innen suchten wiederum diese Detailaufnahmen.  

Anschließend wurden die Jugendlichen durch den Raum der Kirche geschickt, um mit Architektenpapier und Wachsmalkreide Muster zu schraffieren. Diese wurden bei der Vorstellung der Ergebnisse den Besucher*innen zur Verfügung gestellt, um eigens auf die Suche zu gehen.

Zum Ende der Kirchenraumerkundung gab es eine kleine Pause der besonderen Art. Die Jugendlichen saßen an ihren Lieblingsorten und dazu wurde eine Auswahl verschiedenartiger Lieder, von Helene Fischer, bis aktuellen Charts und Lieder aus den 60er Jahren abgespielt. Die jungen Menschen reflektierten, dass es teilweise befremdlich sei, Rock und Pop oder gar Rap-Lieder in der Kirche zu hören.

Nach einer Pause mit leckeren Pizzen ging es dann ans Werk. In verschiedensten Kleingruppen machten sich die Jugendliche Gedanken, wie sie ihre liebsten Details der Kirche in Szene setzen könnten. Ihnen stand ein großer Pool von Materialien zur Verfügung. Nach langem Austesten entstanden tolle Bilder oder Beleuchtungen.

 

 

Am folgenden Abend wurden Interessierte zur Aufführung der Werke ab 19 Uhr in die Weimarer Kirche eingeladen. Etwa 50 Gäste waren an diesem Abend, in einer anfangs komplett abgedunkelten Kirche, anwesend. Nach einem gemeinsamen Einstieg der Jugendlichen mit ihren Handytaschenlampen begann die Inszenierung:

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Ein Mädchen ließ Fußabdrücke den Kirchengang entlanglaufen. Zwei Jungs interessierten sich für eine alte teilweise noch sichtbare Katharinen Statur in einer Fensteröffnung. Diese Zeichnung ließen sie an einem anderen Ort zum Leben erwecken. Mithilfe von drei Overhead-Projektor-Folien wurde die Katharina Schritt für Schritt aufgebaut. Anfangs waren nur vereinzelte Linien, zum Ende hin eine ganz und gar vollständige Katharina erkennbar. Mit den Worten „Die starke Katharina – früher dort – heute hier“ stellten sie ihr Ergebnis vor. Zwei weitere Mädchen tanzten hinter einer großen Leinwand zu einem Lieder-Medley ihrer Lieblingslieder. Sie verfolgten das Ziel, ihre Musik in den Kirchenraum zu bringen und dabei ihr Hobby zu integrieren. Drei Jungen projizierten einen Bibelspruch an eine Kirchenwand. Der Vers lautete: „Wer überwindet, der wird es alles erben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein“. Dieser Vers stammt vom Seitenschiff der Kirche. Nach der Darstellung wurde der Spruch mit Sand und kleinen Wassertropfen besprüht. Ein weiterer Junge ließ an einem Mauerbogen, einen Baum wachsen. Er nutzte Sand und Federn, um Lebendigkeit zu symbolisieren.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte leider keine Vernissage stattfinden. Jedoch werden die Detail-Fotos ausgedruckt und können nun mit einer Anleitung zu einer Kirchenralley oder Kirchenraumerkundung in der Weimarer Kirche genutzt werden. 

 

Die Jugendlichen ließen IHREN Kirchenraum in einem anderen Licht erstrahlen. Den Jugendlichen wurde die Möglichkeit gegeben, sich neue Zugänge zu religiösen Symbolen oder Zeichen anzueignen und dabei sich selbst und ihre Kirche zu spüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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